Konstanze Quirmbach, Psychologische Beratung, Life-Coaching, Newsletter pesönlichkeit wagen

Newsletter persönlichkeit wagen

Newsletter Persönlichkeit wagen - Nr. 72

Persönlichkeitswachstum, Newsletter

"Stille ist nicht bloß Abwesenheit von Lärm, sondern ein Schweigen,
das uns Augen und Ohren öffnet für eine andere Welt."
(Serge Poljakow, russischer Maler, 1900 - 1969)

In diesem Newsletter:

Willkommen - schön, dass Sie dabei sind!

Zu einem Einsiedler kamen eines Tages Menschen. Sie fragten ihn: "Welchen Sinn siehst du in einem Leben der Stille?"

Er war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einer tiefen Zisterne beschäftigt. Er überlegt und sprach: "Schaut in die Zisterne, was seht ihr?"

Die Besucher blickten in die Zisterne: "Wir sehen nichts", sagten sie.

Nach einer Weile forderte der Einsiedler die Besucher erneut auf:
"Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?"

Sie blickten hinunter und sagten: “Jetzt sehen wir uns selbst!”

Der Einsiedler sprach: “Als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig und ihr konntet nichts sehen. Jetzt ist das Wasser ruhig und ihr seht euch selbst. Das ist die Erfahrung der Stille.”
(nach der "Weisung der Väter")

Stille öffnet die Sinne. Empfindungen, Wahrnehmungen und Gedanken werden bewusst, die sonst im Tun und Reden untergehen. Zum Beispiel macht es einen riesigen Unterschied, ob ich spazieren gehe und dabei mit meiner Freundin spreche, mich austausche, auf den Hund achte und auch mit ihm so meine "Diskussionen"“ habe, oder ob ich alleine schweigend durch Wald und Wiesen streife. Ich werde innerlich still, wenn ich Worte und Gedanken gehen lasse und beginne, nicht mich selbst als Nabel der Welt zu betrachten, sondern den Fokus auf die Welt selbst zu richten, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu gehen – zu sein.

Fester Boden unter meinen Füßen. Die Natur zeigt mir ihren Reichtum mit ihren vielfältigen Formen und Farben. Das Blau des Himmels über mir. Ich bemerke den Geruch der Luft und unterscheide Nuancen – nach Blattlaub, nach Blüten, nach Erde, nach Regen, nach Sonne … Ich öffne mich mehr und mehr für den Augenblick. Nehme intensiver wahr. Tiefe und Weite nehmen gleichzeitig zu. Weil ich ihnen den Platz dazu einräume. Etwas erfüllt mich und es fühlt sich sehr entspannend und

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Was also ist der Wert der Stille?

SpiegelungDas Beispiel des Einsiedlers ist überzeugend: Deutlich zeigt er uns, wie wir uns im stillstehenden, unbewegten Wasser selbst erkennen können. Das Beispiel des achtsamen Spazierganges zeigt diese Erfahrung aus meiner Perspektive. Ich bringe ablenkende Gedanken und die Beschäftigung mit allem, was gerade jetzt gar nicht da ist, zum Stillstand. Damit öffne ich den Raum für die Dinge, die gerade jetzt in diesem Moment wirklich da sind: Meine Schritte, ein Kontakt zu meiner Umgebung, Sinneswahrnehmungen, Spüren – nach außen und nach innen. Eine andere Welt als die offensichtliche wird sichtbar. Und keiner außer mir hat Zugang.

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Was mich bewegt

Rainer Maria Rilke schreibt in seinem Gedicht "Was mich bewegt" die Zeilen: "Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt." Er vergleicht dies mit dem Reifungsprozess eines Baumes. Zu werden, was wir sind, erfordert viel Geduld. Denn nur über die Jahre hinweg kann sich entwickeln, was in uns ist, wenn wir ihm liebevoll und annehmend den Weg frei halten, ihm in der Stille den Raum geben und auf uns selbst vertrauen.

Die Zukunft können wir nicht kennen, doch wir können sie optimal vorbereiten durch das, was wir im jetzigen Moment tun und sind. Bereits jetzt leben wir, was wir noch werden wollen. Rilke drückt das ganz wunderbar so aus:

Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

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Ein Selbstexperiment

Die närrischen Tage des Faschings und Karnevals nutzen viele Menschen, um so richtig nach außen zu gehen. In ihrer Verkleidung zeigen sie eine Seite von sich, die ihnen Spaß macht und die sie sich nicht immer erlauben, die sie aber in diesen Tagen mit viel Freude und Ausgelassenheit leben. – Ich mache in diesem Jahr etwas, das ich vorher noch nicht gemacht habe, nämlich genau das Gegenteil: Ich nutze diese Tage für ein Schweige- und Meditationsseminar. Drei Tage lang. Ich hoffe, wie ein Einsiedler mir selbst zu begegnen, mein Spiegelbild zu erkennen, wenn der Brunnen sich beruhigt, und dann nicht nur Fragen zu haben, sondern in ein paar Antworten hineinzuleben.

Ich bin sicher, dass mich viel bewegen wird im Schweigen, im Gehen und Sitzen, in der Stille. Und ich glaube, dass meine Erfahrung auch für diejenigen interessant ist, die sich für dieses Thema interessieren. So habe ich mir vorgenommen, Sie teilhaben zu lassen und in meinem Blog jeden Abend ein Protokoll zu schreiben und die Prozesse zu dokumentieren. Zum einen die Dinge, die um mich herum geschehen, damit Sie eine Idee davon bekommen, was da passiert in so einem Schweigeseminar; und zum anderen bin ich sehr gespannt darauf, was in mir selbst passiert und wie ich damit umgehe.

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Ver-rückt

SchleierSo wünsche ich uns allen in diesen bevorstehenden Tagen einen ver-rückten Standpunkt, bei dem wir uns selbst die Erlaubnis geben, die Alltagsperspektive zu verlassen – sei es als Teilnehmende an dem lauten und bunten Treiben, oder aber als daneben Stehende, die ihren eigenen Weg bewusst suchen, eben auch ein bisschen deutlicher und anders als im Alltag.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei … So oder so wünsche ich Ihnen tolle Tage.

Wenn der Frühling in dem eingeschlagenen Tempo weitermacht, verspricht es ein milder, sonniger, blumenreicher, duftender und herrlich angenehmer März zu werden, der uns reichlich Gelegenheiten zu stillen Momenten im achtsamen Genießen bietet, in denen wir immer wieder Augen und Ohren für diese andere Welt haben.

In diesem Sinne, bleiben Sie immer schön achtsam.  Lächeln

Herzlichst,

Ihre
Konstanze Quirmbach

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