Konstanze Quirmbach, Psychologische Beratung, Life-Coaching, Newsletter pesönlichkeit wagen

Newsletter persönlichkeit wagen

Newsletter Persönlichkeit wagen - Nr. 52

Persönlichkeitswachstum, Newsletter

"Achtsam zu sein bedeutet, wach zu sein. Es bedeutet zu wissen, was wir tun."
(Jon Kabat-Zinn, *1944, Arzt und Achtsamkeitslehrer)

In diesem Newsletter:

Willkommen - schön, dass Sie dabei sind!

Scheint es Ihnen erstrebenswert zu sein, ein achtsames Leben zu führen?

Bislang hatte ich keinen Zweifel daran, dass dies ein lohnenswertes Ziel ist, bringt uns Achtsamkeit doch uns selbst näher, so glaubte ich. Doch neulich hat mich eine Bemerkung in diesem Zusammenhang überrascht und zum Nachdenken angeregt. Ich sah den Sinn von Achtsamkeit insgesamt in Frage gestellt: "Wenn wir immer und überall achtsam sind - verlieren wir dann nicht an Natürlichkeit und Spontaneität?"

Ich war geneigt, ein rasches NEIN zu erwidern. Doch ich spürte Unsicherheit. War es meine eigene Unsicherheit, wie ich überzeugend auf diese Frage antworten sollte? Oder war es etwas anderes? Langsam dämmerte mir, dass dieser Frage wohl ein Verständnis von "Achtsamkeit" zugrunde liegt, das einfach von meinem Verständnis abweicht. Ein großes Fass war aufgemacht: Was bedeutet denn eigentlich dieses Wort, das uns neuerdings überall begegnet? Und wie sollen wir den Inhalt dessen, was hier gemeint ist, erfassen und im Leben verwirklichen?


"Achtsamkeit funktioniert - jetzt müssen wir nur noch besser darin werden herauszufinden wie..."

Nicholas van Dam, zitiert aus einer Rede beim Internationalen Kongress Achtsamkeit 2011

Achtsamkeit ist kein Programm

Wir haben viele Programme im Kopf, die uns automatisch dabei helfen, unseren Alltag zu bewältigen. Das beginnt schon, wenn wir morgens aufstehen und zur Arbeit fahren. Es geht weiter, wenn wir dort automatisch Aufgaben übernehmen und Verantwortung. Ohne viel nachzudenken sagen wir auch "Hallo" und "Guten Morgen", sind in sozialem Kontakt - wir funktionieren im Rad der Gesellschaft. Manchmal funktionieren wir vielleicht zu gut! Dann versäumen wir, auf uns selbst zu achten, übernehmen zu viel und sagen zu schnell "ja". Mögliche Folge davon: Burn-out. Noch so ein Wort, das uns neuerdings überall begegnet. Und das hat offenbar mit Unachtsamkeit zu tun.

Achtsamkeit verstehe ich nicht als ein weiteres Programm, mit dem wir aufpassen, was wir in jedem Moment denken, sagen, fühlen oder tun. Es ist kein Meta-Programm zur Selbstkontrolle. Es ist vielmehr eine innere Haltung, mit der wir ein wenig Abstand nehmen. Ganz so, als könnten wir zurücktreten und mit nicht-beurteilenden Augen das ansehen, was geschieht.

Diese Distanz gibt uns das Gefühl, nicht mit Haut und Haaren dem Geschehen verhaftet zu sein. Wir gewinnen Zeit. Wir gewinnen ein Stück Bewusstheit. Wir gewinnen Übersicht im neuen Gewahrsein dessen, was ist. Wenn Menschen beginnen, sich auf diese Art achtsamen Wahrnehmens einzulassen, berichten sie davon, dass dies befreiend und heilend wirkt, dass sie sich durch den gewonnen Abstand selbst näher kommen und sich zunehmend sicherer und authentischer fühlen, gelassener und großzügiger, verstehender und glücklicher.


"Konzentration ist einschränkend, auf einen bestimmten Bereich begrenzt,
während Achtsamkeit grenzenlos ist."

Krishnamurti

Natürlichkeit und Spontaneität

Im Gewahrsein für den Moment liegt der Schlüssel zu unserer Natürlichkeit und zu unserer Spontaneität. Aus einer Stimmigkeit zwischen Moment, Bedürfnis und eigener Natur handeln wir spontan in Übereinstimmung mit uns selbst, aus unserer ganzen Person heraus.

Achtsamkeit ist ein beständiger Weg, immer besser unterscheiden zu lernen, was sich stimmig anfühlt und wann wir bzw. wann wir nicht mehr in innerem Einklang sind. Wir nehmen das Gesamte wahr. Wir nehmen Impulse wahr, ohne ihnen folgen zu müssen. Wir betrachten einfach die Situation selbst, "... ein reines Registrieren der beobachteten Tatsachen, ohne auf sie durch Handeln, Sprechen oder mentale Kommentare zu reagieren ..." (Jon Kabat-Zinn zitiert in: Donald Mc Cown, Diane Reibel, Marc S. Micozzi: Achtsamkeit lehren, arbor Verlag, 2011). Nicht begrenzt, nicht steuernd, nicht wertend, sondern grenzenlos und umfassend, so weit uns dies möglich ist.

Sind wir achtsam bei uns selbst und im Augenblick, dann sind wir im Flow und handeln spontan, ohne zu überlegen. Wir fließen im natürlichen Fluss unseres Lebens, ohne uns anstrengen zu müssen oder nachzudenken. "Achtsamkeit zu üben bedeutet, zum Leben im gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren." sagt Thich Nhat Hanh, einer der populärsten Meditationslehrer der Gegenwart. Wir werden uns unserer eigenen Spontaneität gewahr. Wir lassen es dabei. Wir können zulassen, was ist. Einfach so.


"Unsere Verabredung mit dem Leben findet immer im gegenwärtigen Moment statt".
Thich Nhat Hanh

"Ich kann zulassen, was ist."

"Zulassen was ist, schafft Raum für inneren Frieden und ungekannte Stärke, die keinen Kampf braucht,
sondern großzügig und risikobereit Widersprüche versöhnt." (aus: "Ich bin da.")


Affirmation, Ich bin, wie ich bin

Affirmationskarten, Buch und Poster der Reihe "Ich bin da": www.impulsverlag.com.
Sind Sie interessiert, mehr über Affirmationen zu erfahren und wie Sie sich damit selbst unterstützen? www.affirmationen.info.

Persönliche Antworten

Über Achtsamkeit zu reden - das geht schon. Doch über Worte tatsächlich auch die Bedeutung dieser Erfahrung zu erfassen und zu verstehen - das geht wohl eher nicht. Es ist ähnlich, wie über Liebe zu reden: Wer das Gefühl nicht erfahren hat, kann die Liebe nicht wirklich begreifen. Ich nehme es einfach hin, dass es so viele Erfahrungen mit Achtsamkeit gibt, wie es Übende gibt. Und ich sehe ein, dass manche Frage schwer zu beantworten sind. Jedenfalls nicht mit wenigen Worten. Ich kann nur einzelne Facetten beleuchten und meine Erfahrungen weitergeben. Nicht mehr und nicht weniger.

Zu diesem Themenkreis empfehle ich noch drei Beiträge aus meinem Blog:
10 Schritte Achtsamkeit
Optimismus, Achtsamkeit, Enthusiasmus, Menschlichkeit
Zeit, den Stecker auszuziehen.

Sind Sie nach dem Lesen dieses Newsletters einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Achtsamkeit in Ihrem Leben ein wenig näher gekommen? - Achten Sie einmal darauf, welche Gedanken Ihnen jetzt durch den Kopf schwirren.

Also, ganz in diesem Sinne: Machen Sie es gut und bleiben Sie immer schön achtsam - im Moment!

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Mal!

Ihre
Konstanze Quirmbach

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