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impuls - Verlag für Persönlichkeitsentwicklung
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Mut
Mut zum Leben kommt ohne Vorankündigung. Neugieriges Staunen. Tränenreiche Arbeit. Nähe. Zerissenheit. Einlassen im Mut zu mir ermöglicht ungeahnte Begegnungen. Iris Pohlers |
| Aus: Klänge der Stille - Gedichte: Iris Pohlers, Bilder: Konstanze Quirmbach nach oben |
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Manchmal fühl' ich mich wie ein Stein, hin- und hergeworfen, gerieben, gestoßen, getreten, benutzt, schmerzhaft ausgesetzt. Manchmal möcht' ich ein Stein sein, mit Linien und Mustern, Abbild seiner Geschichte, fest und verlässlich, in sich ruhend. |
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Gedicht und Bild © Sigrid Berg nach oben | ||
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Der Sommertag
Wer hat die Welt geschaffen? Wer hat den Schwan geschaffen, und wer den schwarzen Bären? Wer hat die Heuschrecke geschaffen? Diese Heuschrecke, meine ich - die, die sich aus dem Gras erhoben hat, die, die Zucker aus meiner Hand frißt, die ihren Kiefer vor und zurück, statt auf und nieder bewegt -
die sich umschaut mit ihren riesigen, komplizierten Augen. Jetzt hebt sie ihre blassen Vorderarme und wäscht sich gründlich ihr Gesicht. Jetzt klappt sie ihre Flügel auf und schwebt weg. Ich weiß nicht genau, was ein Gebet ist. Ich weiß nur, wie man aufmerksam ist, wie man hinfällt ins Gras hinein, wie man sich im Gras niederkniet, wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder streunt, denn das ist es, was ich den ganzen Tag lang getan habe. Sage mir, was hätte ich sonst tun sollen? Stirbt nicht alles zu guter Letzt, und viel zu schnell? Sage mir, was hast Du vor mit Deinem einen, wilden, kostbaren Leben? Mary Oliver |
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![]() Foto: © Tatjana Schlör |
Köstliche Momente
Bewahren sollst du sie in deiner Erinnerung, diese Momente, in denen die Zeit Ewiges erspürt, in denen Göttlichkeit sich erdet, wo die ewig fließende Zeit für einen Moment das ewige JETZT gebiert. Johanna Arlt aus dem Gedichtband "Lichtstrahl aus ewiger Welt" |
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Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe. Ich wünschte sehr, daß man mich liebt Und daß mein Lächeln leben bliebe, Wenn es mich einmal nicht mehr gibt. Das Höchste, was man hat, ist Bindung Durch Liebe. Ich ertrage nicht Die mir verweigerte Empfindung. Ich öffne allen mein Gesicht Mit einem Lächeln. Magisch scheinen In mich die anderen hinein. Und ich kann sie in mir vereinen, Und sie vervielfachen mein Sein. Eva Strittmatter (aus: Eva Strittmatter, Sämtliche Gedichte, © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2006) |
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Ich
wage es, an mich selbst zu glauben: ![]() an meinen Drang nach Reife, an meine Liebesfähigkeit, an meine Begabung zur Freundschaft, an meine entschiedene Ausdauer, an meine immer neue Hoffnung. Aber auch wenn ich versage und Fehler mache, wenn ich unnötig verletze, wenn ich anderen die Freiheit nehme, wenn ich kleinkariert werde, wenn ich mich nicht mehr erneuere, wenn ich hart und unnahbar werde, auch dann will ich glauben, daß neben der Zerstörung auch das Lebensförderliche in mir wohnt, und ich will es hervorlocken mit meiner Hoffnung und meinem Mut. Ulrich Schaffer www.ulrich-schaffer.com nach oben |
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Du darfst missmutig nicht verzagen, In Liebe nicht noch im Gesang, Wenn mal ein allzu kühnes Wagen, Ein Wurf im Wettspiel dir mißlang. Wes Fuß wär' niemals fehlgesprungen? Wer lief nicht irr' auf seinem Lauf? Blick hin auf das, was dir gelungen, Und richte so dich wieder auf. Vorüber ziehn die trüben Wetter, Es lacht aufs neu der Sonne Glanz, Und ob verwehn die welken Blätter, Die frischen schlingen sich zum Kranz. Theodor Fontane nach oben |
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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten wohl nicht vollbringen aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um Gott, den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang; und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang. Rainer Maria Rilke (Aus dem Stundenbuch, erschienen 1905) nach oben |
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Stufen
Hermann Hesse nach oben |
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Entre nous We are secrets to each other Each one's life a novel No-one else has read. Even joined in bonds of love, We're linked to one another By such slender threads. We are planets to each other, Drifting in our orbits To a brief eclipse. Each of us a world apart, Alone and yet together, Like two passing ships. Just between us, I think it's time for us to recognize The differences we sometimes fear to show. Just between us, I think it's time for us to realize, The spaces in between Leave room for you and I to grow. We are strangers to each other, Full of sliding panels, An illusion show. Acting well-rehearsed routines Or playing from the heart? It's hard for one to know. We are islands to each other, Building hopeful bridges On a troubled sea. Some are burned or swept away, Some we would not choose, But we're not always free. Neil Peart »» deutsche Fassung nach oben |
| Herbsttag Rainer Maria Rilke |
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Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. nach oben |
| Christian Morgenstern |
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Alles fügt sich, alles schickt sich musst es nur erwarten können und dem Wachsen deiner Wünsche Zeit und reichlich Bilder gönnen. Bis du eines fernen Tages jenen reifen Duft der Körner spürst und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führst nach oben |
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Mit Zündstoff Sei gefasst - es kann dir Hals und Kragen kosten Mark und Bein wenn du die Träume lebst die du seit jeher hattest Nein - es wird nicht sein wie früher anders wird es werden niemand löscht ein Feuer das dich mitten durch entzündet keiner bremst den Zug auf voller Fahrt © Vreni Merz nach oben |
| Zärtlich nah |
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Zärtlich berührt einander Zuwendung schenken ohne den Freiraum zum Wachsen zu verlieren Zärtlich nah einander Geborgenheit erfahren lassen im Genießen der erotischen Kraft der Freundschaft Zärtlich aufgerichtet einander Weite eröffnen zum Sinn des Lebens bewegt: wirklich lieben können Zärtlich verwurzelt einander in Verschiedenheit ergänzen zum schöpferischen Mitsein angestiftet © Pierre Stutz www.pierrestutz.ch nach oben |
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Was es ist Erich Fried nach oben |
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Kelly Priest Mit der Zeit lernst Du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind Und Du lernst, all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst ... und wirklich stark bist. Und dass Du Deinen eigenen Wert hast. |
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Lebenswege (von Thomas Schied) Es gibt Wege die sind zu gehen weil der Fluss seinem Lauf folgen muss um sich selbt zu sein weil der Mensch eine Sehnsucht mitbekommen hat die ihn lebendig hält Daran werden sich unsere Lebenswege messen lassen: Ob an ihren Ufern das Leben gedeiht. nach oben |
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Augenblicke Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben würde ich versuchen mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr Berg steigen, mehr in Flüssen schwimmen. Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten; freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. Falls du es noch nicht weißt: Aus diesen besteht nämlich das Leben; Nur aus Augenblicken, vergiss den jetzigen nicht! Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginn bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie, ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde. Nadine Stair nach oben |
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Sonniger Nachmittag Georg Trakl Ein Ast wiegt mich im tiefen Blau. Im tollen, herbstlichen Blattgewirr Flimmern Falter, berauscht und irr. Axtschläge hallen in der Au. In roten Beeren verbeißt sich mein Mund Und Licht und Schatten schwanken im Laub. Stundenlang fällt goldener Staub Knisternd in den braunen Grund. Die Drossel lacht aus den Büschen her Und toll und laut schlägt über mir Zusammen das herbstliche Blattgewirr - Früchte lösen sich leuchtend und schwer. nach oben |
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Am Strande Marie Luise Kaschnitz nach oben |
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Gewöhnliche Menschen hassen die Einsamkeit, doch der Meister nutzt sie, umarmt sein Alleinsein und erkennt, daß er eins ist mit dem gesamten Universum. Laotse, Tao Te King nach oben |
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WAS DER WIND IN DEN SAND GESCHRIEBEN
von Hermann Hesse nach oben |
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Achte gut auf DIESEN Tag, denn er ist das Leben - das Leben allen Lebens. In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins, die Wonne des Wachsens, die Herrlichkeit der Kraft Denn das Gestern ist nichts als ein Traum und das Morgen nur eine Vision. Das heute jedoch - recht gelebt - macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung. Darum achte gut auf DIESEN Tag. (aus dem Sanskrit) nach oben |
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Autobiographie in fünf Kapiteln Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren ... Ich bin ohne Hoffnung. Es dauert endlos, wieder herauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein ... aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort heraus. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe darum herum. Ich gehe eine andere Straße. (aus: Portia Nelson, There's a Hole in My Sidewalk)
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LINGUISTIK Du mußt mit dem Obstbaum reden. Erfinde eine neue Sprache, die Kirschblütensprache, Apfelblütenworte, rosa und weiße Worte, die der Wind lautlos davonträgt. Vertraue dich dem Obstbaum an wenn dir ein Unrecht geschieht. Lerne zu schweigen in der rosa und weißen Sprache. Hilde Domin (aus: Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, © S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009. Die Verwendung des Gedichtes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des S. Fischer Verlages.) nach oben |
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Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forsche jetzt nicht nach Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben.
Lebe jetzt die Fragen - vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die Antwort hinein.
Rainer Maria Rilke nach oben |
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