Überblick über alle Gedichte dieser Seite
» Aus dem Sanskrit - Achte gut auf diesen Tag
» Jorge Luis Borges - Augenblicke
» Bertold Brecht - Im Hofe steht ein Pflaumenbaum
» Hilde Domin - Linguistik
» Erich Fried - Was es ist
» Erich Fried - Aufhebung
» Hermann Hesse - Stufen
» Hermann Hesse - Was der Wind in den Sand geschrieben
» Erich Kästner - Traurigkeit die jeder kennt
» Marie Luise Kaschnitz - Am Strande
» Lao-tzu - Zitat aus dem Tao Te King
» Vreni Merz - Mit Zündstoff
» Christian Morgenstern - Alles fügt sich
» Neil Peart - Entre nous
» Iris Pohlers - Mut
» Kelly Priest -Mit der Zeit lernst Du...
» Rainer Maria Rilke - Herbsttag
» Rainer Maria Rilke - Habe Geduld
» Sogyal Rinpoche - Autobiographie in fünf Schritten
» Ulrich Schaffer - Ich wage es
» Eva Strittmatter - Lächeln
» Thomas Schied - Lebenswege
» Pierre Stutz - Zärtlich nah
» Georg Trakl - Sonniger Nachmittag
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Mut
Mut zum Leben kommt ohne Vorankündigung. Neugieriges Staunen. Tränenreiche Arbeit. Nähe. Zerissenheit. Einlassen im Mut zu mir ermöglicht ungeahnte Begegnungen. Iris Pohlers |
| Aus: Klänge der Stille - Gedichte: Iris Pohlers, Bilder: Konstanze Quirmbach nach oben |
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Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe. Ich wünschte sehr, daß man mich liebt Und daß mein Lächeln leben bliebe, Wenn es mich einmal nicht mehr gibt. Das Höchste, was man hat, ist Bindung Durch Liebe. Ich ertrage nicht Die mir verweigerte Empfindung. Ich öffne allen mein Gesicht Mit einem Lächeln. Magisch scheinen In mich die anderen hinein. Und ich kann sie in mir vereinen, Und sie vervielfachen mein Sein. Eva Strittmatter |
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Ich
wage es, an mich selbst zu glauben: ![]() an meinen Drang nach Reife, an meine Liebesfähigkeit, an meine Begabung zur Freundschaft, an meine entschiedene Ausdauer, an meine immer neue Hoffnung. Aber auch wenn ich versage und Fehler mache, wenn ich unnötig verletze, wenn ich anderen die Freiheit nehme, wenn ich kleinkariert werde, wenn ich mich nicht mehr erneuere, wenn ich hart und unnahbar werde, auch dann will ich glauben, daß neben der Zerstörung auch das Lebensförderliche in mir wohnt, und ich will es hervorlocken mit meiner Hoffnung und meinem Mut. Ulrich Schaffer nach oben |
| Erich Fried Aufhebung | |||
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Sein Unglück ausatmen können tief ausatmen so daß man wieder einatmen kann Und vielleicht auch sein Unglück sagen können in Worten in wirklichen Worten die zusammenhängen und Sinn haben und die man selbst noch verstehen kann und die vielleicht sogar irgendwer sonst versteht oder verstehen könnte Und weinen können Das wäre schon fast wieder Glück nach oben |
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Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat hängen, der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, nur wer bereit zum Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegensenden, des Lebens Ruf an uns wird niemals enden. Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! Hermann Hesse nach oben | ![]() |
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Entre nous We are secrets to each other Each one's life a novel No-one else has read. Even joined in bonds of love, We're linked to one another By such slender threads. We are planets to each other, Drifting in our orbits To a brief eclipse. Each of us a world apart, Alone and yet together, Like two passing ships. Just between us, I think it's time for us to recognize The differences we sometimes fear to show. Just between us, I think it's time for us to realize, The spaces in between Leave room for you and I to grow. We are strangers to each other, Full of sliding panels, An illusion show. Acting well-rehearsed routines Or playing from the heart? It's hard for one to know. We are islands to each other, Building hopeful bridges On a troubled sea. Some are burned or swept away, Some we would not choose, But we're not always free. Neil Peart »» deutsche Fassung nach oben |
| Herbsttag Rainer Maria Rilke |
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Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. nach oben |
| Christian Morgenstern |
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Alles fügt sich, alles schickt sich musst es nur erwarten können und dem Wachsen deiner Wünsche Zeit und reichlich Bilder gönnen. Bis du eines fernen Tages jenen reifen Duft der Körner spürst und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führst nach oben |
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Mit Zündstoff Sei gefasst - es kann dir Hals und Kragen kosten Mark und Bein wenn du die Träume lebst die du seit jeher hattest Nein - es wird nicht sein wie früher anders wird es werden niemand löscht ein Feuer das dich mitten durch entzündet keiner bremst den Zug auf voller Fahrt © Vreni Merz nach oben |
| Zärtlich nah |
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Zärtlich berührt einander Zuwendung schenken ohne den Freiraum zum Wachsen zu verlieren Zärtlich nah einander Geborgenheit erfahren lassen im Genießen der erotischen Kraft der Freundschaft Zärtlich aufgerichtet einander Weite eröffnen zum Sinn des Lebens bewegt: wirklich lieben können Zärtlich verwurzelt einander in Verschiedenheit ergänzen zum schöpferischen Mitsein angestiftet © Pierre Stutz nach oben |
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Was es ist
Es ist Unsinn sagt die Vernunft Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist Unglück sagt die Berechnung Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst Es ist aussichtslos sagt die Einsicht Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist lächerlich sagt der Stolz Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht Es ist unmöglich sagt die Erfahrung Es ist was es ist ...sagt die Liebe... Erich Fried nach oben |
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Kelly Priest Mit der Zeit lernst Du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind Und Du lernst, all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst ... und wirklich stark bist. Und dass Du Deinen eigenen Wert hast. |
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Lebenswege (von Thomas Schied) Es gibt Wege die sind zu gehen weil der Fluss seinem Lauf folgen muss um sich selbt zu sein weil der Mensch eine Sehnsucht mitbekommen hat die ihn lebendig hält Daran werden sich unsere Lebenswege messen lassen: Ob an ihren Ufern das Leben gedeiht. nach oben |
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Erich Kästner Traurigkeit die jeder kennt Man weiß von vornherein, wie es verläuft. Vor morgen früh wird man bestimmt nicht munter. Und wenn man sich auch noch so sehr besäuft: die Bitterkeit, die spült man nicht hinunter. Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund. Und angefüllt ist man mit nichts als Leere. Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund. Es ist, als ob die Seele unwohl wäre. Man will allein sein. Und auch wieder nicht. Man hebt die Hand und möchte sich verprügeln. Vorm Spiegel denkt man: "Das ist dein Gesicht?" Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln. Vielleicht hat man sich das Gemüt verrenkt? Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen. Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt. Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen. Man möchte fort und findet kein Versteck. Es wäre denn, man ließe sich begraben. Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck. Man möchte tot sein. Oder Gründe haben. Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben. Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam. Mal ist man unten, und mal ist man oben. Die Seelen werden immer wieder zahm. Der Eine nickt und sagt: "So ist das Leben." Der andre schüttelt seinen Kopf und weint. Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben! Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint. nach oben |
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Augenblicke Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, im nächsten Leben würde ich versuchen mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr Berg steigen, mehr in Flüssen schwimmen. Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten; freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben. Falls du es noch nicht weißt: Aus diesen besteht nämlich das Leben; Nur aus Augenblicken, vergiss den jetzigen nicht! Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginn bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte. Aber sehen Sie, ich bin 85 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde. Jorge Luis Borges nach oben |
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Sonniger Nachmittag Georg Trakl Ein Ast wiegt mich im tiefen Blau. Im tollen, herbstlichen Blattgewirr Flimmern Falter, berauscht und irr. Axtschläge hallen in der Au. In roten Beeren verbeißt sich mein Mund Und Licht und Schatten schwanken im Laub. Stundenlang fällt goldener Staub Knisternd in den braunen Grund. Die Drossel lacht aus den Büschen her Und toll und laut schlägt über mir Zusammen das herbstliche Blattgewirr - Früchte lösen sich leuchtend und schwer. nach oben |
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Am Strande Marie Luise Kaschnitz Heute sah ich wieder dich am Strand Schaum der Wellen dir zu Füßen trieb Mit dem Finger grubst du in den Sand Zeichen ein, von denen keines blieb. Ganz versunken warst du in dein Spiel Mit der ewigen Vergänglichkeit, Welle kam und Stern und Kreis zerfiel Welle ging und du warst neu bereit. Lachend hast du dich zu mir gewandt Ahntest nicht den Schmerz, den ich erfuhr: Denn die schönste Welle zog zum Strand, Und sie löschte deiner Füße Spur. nach oben |
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Gewöhnliche Menschen hassen die Einsamkeit, doch der Meister nutzt sie, umarmt sein Alleinsein und erkennt, daß er eins ist mit dem gesamten Universum. Laotse, Tao Te King nach oben |
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WAS DER WIND IN DEN SAND GESCHRIEBEN
von Hermann Hesse Dass das Schöne und Berückende nur ein Hauch und Schauer sei, dass das Köstliche, Entzückende, Holde ohne Dauer sei: Wolke, Blume, Seifenblase, Feuerwerk und Kinderlachen, Frauenblick im Spiegelglase und viel andre wunderbare Sachen, dass sie, kaum entdeckt, vergehen, nur von Augenblickes Dauer, nur ein Duft und Windeswehen, ach, wir wissen es mit Trauer. Und das Dauerhafte, Starre ist uns nicht so innig teuer: Edelstein mit kühlem Feuer, glänzendschwere Goldesbarre; selbst die Sterne, nicht zu zählen, bleiben fern und fremd, sie gleichen uns Vergänglichen nicht, erreichen nicht das Innerste der Seelen. Nein, es scheint das innigst Schöne, Liebenswerte dem Verderben zugeneigt, stets nah am Sterben, und das Köstlichste: die Töne der Musik, die im Entstehen schon enteilen, schon vergehen, sind nur Wehen, Strömen, Jagen und umweht von leiser Trauer, denn auch nicht auf Herzschlags Dauer lassen sie sich halten, bannen; Ton um Ton, kaum angeschlagen, schwindet schon und rinnt von dannen. So ist unser Herz dem Flüchtigen, ist dem Fließenden, dem Leben treu und brüderlich ergeben, nicht dem Festen, Dauertüchtigen. Bald ermüdet uns das Bleibende, Fels und Sternwelt und Juwelen, uns in ewigem Wandel treibende Wind- und Seifenblasenseelen, Zeitvermählte, Dauerlose, denen Tau am Blatt der Rose, denen eines Vogels Werben, eines Wolkenspieles Sterben, Schneegeflimmer, Regenbogen, Falter, schon hinweg geflogen, denen eines Lachens Läuten, das uns im Vorübergehen kaum gestreift, ein Fest bedeuten oder wehtun kann. Wir lieben, was uns gleich ist, und verstehen, was der Wind in den Sand geschrieben. nach oben |
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Bertold Brecht Im Hofe steht ein Pflaumenbaum Der ist klein, man glaubt es kaum. Er hat ein Gitter drum So tritt ihn keiner um. Der Kleine kann nicht größer wer´n. Ja größer wer´n, das möcht er gern. ´ist keine Red davon Er hat zu wenig Sonn. Den Pflaumenbaum glaubt man ihn kaum. Weil er nie Pflaumen hat Doch er ist ein Pflaumenbaum Man kennt es an dem Blatt. nach oben |
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Achte gut auf DIESEN Tag, denn er ist das Leben - das Leben allen Lebens. In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins, die Wonne des Wachsens, die Herrlichkeit der Kraft Denn das Gestern ist nichts als ein Traum und das Morgen nur eine Vision. Das heute jedoch - recht gelebt - macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung. Darum achte gut auf DIESEN Tag. (aus dem Sanskrit) nach oben |
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Autobiographie in fünf Kapiteln von Sogyal Rinpoche Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren ... Ich bin ohne Hoffnung. Es dauert endlos, wieder herauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein ... aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort heraus. Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe darum herum. Ich gehe eine andere Straße.
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LINGUISTIK Du mußt mit dem Obstbaum reden. Erfinde eine neue Sprache, die Kirschblütensprache, Apfelblütenworte, rosa und weiße Worte, die der Wind lautlos davonträgt. Vertraue dich dem Obstbaum an wenn dir ein Unrecht geschieht. Lerne zu schweigen in der rosa und weißen Sprache. Hilde Domin nach oben |
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Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forsche jetzt nicht nach Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben.
Lebe jetzt die Fragen - vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die Antwort hinein.
Rainer Maria Rilke nach oben |
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